Tango, Wildschwein und Schokolade

„Dass der Dorfplatz so schön sein kann“, bemerkten einige Besucher, während sie in der gut gefüllten Runde einen Platz suchten. Lampions, Lichterketten, ein schwarzer Bühnenhintergrund und Wiesensträuße schufen eine fröhliche Atmosphäre.
Nach zwei verregneten Vorleseabenden, die ins Musikzentrum verlegt werden mussten, freute sich Das NETZ, den roten Vorlesesessel am 5. August 2026 wieder unter freiem Himmel und bei bestem Sommerwetter präsentieren zu können.
Als erster Vorleser nahm Christian Herget darin Platz. Erst seit vier Jahren in Pfrondorf, hatte er drei Lesehappen mitgebracht. Mit Wladimir Kaminers Kurzgeschichte „Blut auf der Schönhauser Allee“, einer Reihe von abstrusen Missverständnissen rund um ein totes Wildschwein und eine brünette Ehefrau, gewann er das Publikum rasch für sich. Ernster wurde es mit Ferdinand von Schirachs Text „Der Äthiopier“: Wenn vor Gericht nicht allein die Tat, sondern die individuelle Schuld zählt, kann auch ein Bankraub milde bestraft werden. Dass der Täter nach Flucht und Gefängnisstrafe in Äthiopien Glück und Familie fand, bewegte Publikum und Leser gleichermaßen. Zum Abschluss folgte ein kurzer, wieder heiterer Text über die Feuerwerkstraditionen vietnamesischer Bewohner der Schönhauser Allee in Berlin.
Dmytro Zharikov, der den Abend mit einem Tango auf dem Akkordeon eröffnet hatte, leitete mit einem beschwingten Walzer in die Halbzeitpause über.
Kathrin Binmöller, Ortschaftsrätin und Vorsitzende des Kulturausschusses, bot im zweiten Teil des Abends kulinarischen Krimigenuss. Sie las Passagen aus „Bittere Schokolade“ von Tom Hillenbrand. Ermittler Xavier Kiefer führte in eine Welt aus westafrikanischen Kakaoplantagen, Gastronomie in Paris und Luxemburg ein. Ein dramatischer Zwischenfall in der Erzählung ließ das Ende der Geschichte offen.
Der obligate Spendenhut war prall gefüllt: die 600 Euro setzt Das NETZ für sein Projekt „Unser Gemeinschaftsacker“ ein. Auf einem Ackergrundstück nahe der Grundschule Pfrondorf wird ein fünf Ar großer Gemeinschaftsacker bewirtschaftet. Das NETZ organisiert die Vergabe und die anstehenden Arbeiten und unterstützt das Projekt durch die Übernahme der Pacht. Neben gemeinsamem Kartoffelanbau und einer mit Gründüngung eingesäten Fläche können die Beteiligten individuell Gemüse und Blumen anpflanzen. Im Mittelpunkt stehen die Weitergabe von gärtnerischem Know-how und die Begeisterung junger Familien für ökologische Zusammenhänge. In diesem Jahr beteiligen sich neun Parteien, darunter drei junge Familien.
Den Schlusspunkt eines rundum gelungenen Abends setzte Dmytro Zharikov: Mit einem Tango erfüllte er die lautstark geforderte Zugabe.

